Probleme der Paläontologie

Die Paläontologie ist ein Nebenfach der Geologie, bekannt für tolle Museen mit eindrucksvollen fossilen Ausstellungsstücken, allerdings weniger für überzeugende Forschungsergebnisse. Leider ist es das Fach, in dem am häufigsten Unsinn verbreitet wird. Da beschäftigen sich interessierte Liebhaber mit Fossilien, beschreiben sie akkurat und geben ihnen Namen, katalogisieren und verwahren sie in Magazinen. Auf diese Tätigkeiten allein beschränkt sich das wissenschaftliche Bemühen. Für alles was darüber hinausgeht fehlt leider jegliche Kompetenz, es wird nur spekuliert. Fortschritt sucht man in der Paläontologie vergebens.

Paläontologen können leider nicht mit den Tieren umgehen, deren Reste fossil wurden. Sie haben nie gelernt, und es wird auch nirgends gelehrt, wie man zu zuverlässigen Aussagen oder gar Beweisen zu Forschungsobjekten über die Beschreibung hinaus gelangen kann. Paläontologen, allesamt liebe nette Leute, können aufgrund fehlenden fundierten Wissens zu Fragen der Lebensweise nichts Klärendes beitragen, und einsichtige Vertreter schweigen lieber zu  solchen Dingen. Ein Gutachter zu einer meiner Publikationen bemängelte einmal, ich hätte offenbar nie einen Knochen in Händen gehalten und schriebe trotzdem in meinem Sessel sitzend über Dinosaurier. Es war ihm völlig unverständlich, dass man keine Fossilien benötigt, um zu zuverlässigen Aussagen zu kommen. Gute Kenntnisse in angewandter Physik sind allemal mehr wert als fossile Reste von Tieren, und seien sie noch so eindrucksvoll. Doch Fossilien sind stumm, sie erzählen ihre Geschichte nicht und lassen die Experten mit ihren oft naiven Vorstellungen allein. Einfältige Paläontologen halten sich für die einzig Kompetenten, gestützt auf die alleinige Kenntnis von Fossilien. Tatsächlich sind Paläontologen leider keine guten Wissenschaftler, sagt zumindest der Nobelpreisträger Luis Alvarez 2014 im Gespräch mit der New York Times.

Es war für mich schon oft ärgerlich, hat mich gelegentlich aber auch amüsiert und erstaunt, wie oberflächlich die Denkmuster dieser Leute notgedrungen sind. Da wird Wissenschaft einfach durch Meinungen ersetzt, unglaublich. Zur Lebensweise von Ammoniten gab es bis in die 80-er Jahre gar keine verlässlichen Aussagen, nur die üblichen vagen Vermutungen, seit 150 Jahren nichts wirklich Neues. Meine vom Mainstream abweichenden Ergebnisse wurden dann auch gleich attackiert, völlig ungerechtfertigt. Seit ich mich mit Fragen der Lebensweise beschäftige, habe ich schon mehrfach erlebt, dass sich die sogenannten Experten mit abwegigen Erklärungsversuchen gehörig verspekuliert haben, erst kürzlich wieder beim Fund von Eiern von Flugsauriern, die ihnen wegen ihrer falschen Vorstellungen total rätselhaft erschienen. Oder die ewige Frage ob Archaeopteryx fliegen konnte oder nicht findet dort keine abschließende Antwort. Ich habe mich stets bemüht, meine Ergebnisse verständlich darzustellen. Wenn sie trotzdem nicht verstanden werden, ist das nicht mein Problem. Unglaube als Äußerung eines Wissenschaftlers ist allerdings etwas wenig.

Dieses Fach beschäftigt sich zwar mit versteinerten Zeugnissen der Natur, aber ohne die Naturwissenschaften zu bemühen. Der Schwerpunkt liegt auf Ausgrabung und Beschreibung der Funde, aber das ist nur eine Technik und reicht wohl kaum aus, um weitergehende Erkenntnisse gewinnen zu können. Sie sollten sich trotzdem darauf beschränken, zumindest Spekulationen klar als solche kennzeichnen. Vielleicht möchten sie sogar den Eindruck erwecken, sie arbeiteten naturwissenschaftlich; tun sie aber nicht. Auch die Anwendung moderner Untersuchungsverfahren kann keine belastbaren Ergebnisse liefern, sie kann den Bearbeiter nicht von der kritischen Diskussion seiner Ergebnisse entbinden. Man kann es drehen und wenden wie man will, doch ohne fundiertes Wissen ist Fortschritt nicht möglich. Es kommt einfach keine “Butter bei die Fische”.

Schon Mitte der sechziger Jahre war mein Interesse für das Wirken physikalischer Gesetze in der Natur geweckt worden, als ich das interessante Buch von Heinrich Hertel (1963) über Verknüpfungen von Biologie und Technik in die Hand bekam. Auch er war wie ich in der Flugzeugentwicklung tätig. Es öffnete mir die Augen für die in der Natur omnipräsente Mechanik und angewandte Physik. Diese Sichtweise konnte ich dann später bei der Interpretation von Fossilien anwenden. Tatsächlich gelang es mir dann ziemlich rasch, eine befriedigende Lösung für verschiedene alte Probleme zu finden. Dass überhaupt noch Rätsel verborgen waren, wurde mir erst bewusst, als ich mich näher auf solche Fragen einließ, denn als Sammler war ich mit verschiedenen Fragen zunächst gar nicht in Berührung gekommen. Außerdem hielt ich ziemlich blauäugig Paläontologen für kompetent. Da musste sich auch erst einmal gesunde Skepsis gegenüber den verbreiteten Spekulationen entwickeln.

Mir hat es jedenfalls viel Vergnügen bereitet, mich nach der Suche nach Fossilien selbst mit Fragen der Lebensweise zu beschäftigen, die sich dann als gar nicht mehr so rätselhaft herausstellten wie es immer dargestellt wurde. Ich habe viel dabei gelernt, hinzu kam noch die Gewissheit, meine Zeit sinnvoll genutzt zu haben, außerdem weiß ich, dass alle meine Ergebnisse Bestand haben werden. Ich würde mich freuen,  wenn ich ein wenig von dem intellektuellen Vergnügen, das mir die Beschäftigung mit solchen Problemen bereitet hat, deutlich machen könnte und wenn ich mit dazu beitragen könnte, anderen Suchenden ihre Fragen zu beantworten, sie zu eigenem Nachdenken anzuregen oder ihnen das Verständnis ausgestorbener Tiere zu erleichtern.

 

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