Probleme in der Paläontologie und meine Vorbehalte

Die Paläontologie ist ein Nebenfach der Geologie, bekannt für tolle Museen mit eindrucksvollen fossilen Ausstellungsstücken, allerdings weniger für unanfechtbare Forschungsergebnisse.

Ich habe mich dafür interessiert und wollte mit eigenen Untersuchungen zu Kenntnissen beitragen. Doch schon vor vierzig Jahren hat mich ein wohlwollender Paläontologe darauf hingewiesen, dass ich bei der Präsentation meiner neuen Ergebnisse auch mit Gegenwind rechnen müsste. Sicher, wenn man als Neuling, dazu mit naturwissenschaftlichem Hintergrund, mit neuen Lösungen für alte Probleme antritt, darf man in diesen Kreisen keine große Begeisterung erwarten. Es gibt in der Wissenschaftsgeschichte viele Beispiele dafür, dass Neuerungen anfangs auf giftige Widerstände trafen. Es besteht anscheinend eine gewisse Abneigung gegen Leute mit einer anderen Sicht auf ihr vermeintlich ureigenstes Metier, oder ist es Einsicht in die eigene Argumentationsschwäche?.

Rupert Riedl stellte 1982 fest (in: Evolution und Erkenntnis): Die Kultur des Abendlandes ist zweigeteilt. Es trennt sich hier der naturwissenschaftliche und der geisteswissenschaftliche Hintergrund unseres Weltbildes”. Und: ”Wie ist es zu verstehen, dass Weltbilder, auch wissenschaftliche, rigid werden und intolerant, und wieso bestehen sie trotz ihrer Widersprüche? Hier zeigt es sich, dass sie einen Mechanismus der Selbstimmunisierung gegen Widerlegung entwickeln. Fakten, die ihrer Erklärung widersprechen, werden von der etablierten Gemeinde so lange verkleinert, bis sie allesamt unter den Teppich gekehrt werden können. Mehr noch: widerspricht eine Erfahrung der Lehrmeinung, so scheint nicht diese, sondern vielmehr die Methode, welche zu widersprüchlichen Erfahrungen führte, diskreditiert; letztlich der Außenseiter, der den Widerspruch vom Zaun brach. An dieser Stelle werden also die Kleinen von den Vereinigten aussortiert: ‘Little Science’ von der ‘Big Science’ ”. 

Man verkriecht sich anscheinend lieber hinter der Community, um nicht selbst denken zu müssen. Allerdings gab es z.B. zur Lebensweise von Ammoniten bis in die 80-er Jahre gar keine verlässlichen Aussagen, nur vage Vermutungen, seit 150 Jahren nichts wirklich Neues. Ich habe mich dann aber doch sehr gewundert, dass man als interessierter Fachfremder gleich vor drohenden Anfeindungen gewarnt wird. Was für ein merkwürdiges Fach ist das!

Gerade unerfahrene Paläontologen tendieren gerne dazu, ihr eigenes Wissen zu überschätzen. Ausgehend von ihrem eigenen Wissen sollten sie das anderer Leute nicht unterschätzen, denn wohl alle haben eine erheblich gründlichere Ausbildung genossen als sie. Einfältige Paläontologen halten sich für die einzig Kompetenten, wieso eigentlich? Tatsächlich sind Paläontologen leider keine guten Wissenschaftler, sagt zumindest der Nobelpreisträger Luis Alvarez 2014 im Gespräch mit der New York Times. Als primär professionelle Sammler müssen sie sich mit der Interpretation ihrer Funde verständlicherweise schwer tun. Bei der Ermittlung der Lebensweisen mancher ausgestorbener Tiere äußern sie daher meistens nur reine Vermutungen. Immer wieder neue Lösungsversuche und Ideen oder aufgewärmte alte zeigen nur, dass sie nichts sicher wissen können. Dieses Unwissen war für mich schon oft ärgerlich, es hat mich gelegentlich aber auch erstaunt, wie oberflächlich diese Leute vorgehen und dass sie überhaupt nicht wissenschaftlich arbeiten können. Da wird Wissenschaft einfach durch Meinungen ersetzt. Wenn ich selbst auch nur Meinungen anzubieten hätte, hätte ich es lieber ganz bleiben lassen. Ich habe mich stets bemüht, meine Ergebnisse verständlich darzustellen. Wenn sie trotzdem nicht verstanden werden, ist das nicht mein Problem. Unglaube als Äußerung eines Wissenschaftlers ist allerdings etwas wenig. Alle Angriffe bisher jedenfalls waren sachlich nicht gerechtfertigt, und ich brauchte noch keine einzige Aussage zu revidieren. Wenn man wie ich gelernt hat, mit der Physik richtig umzugehen und sie als Stütze im Rücken zu haben, braucht man solche Angriffe nicht zu fürchten. 

Dieses Fach beschäftigt sich zwar mit versteinerten Zeugnissen der Natur, aber ohne die Naturwissenschaften zu bemühen. Der Schwerpunkt liegt auf Ausgrabung und Beschreibung der Funde, aber das ist nur eine Technik und reicht wohl kaum aus, um weitergehende Erkenntnisse gewinnen zu können. Mit Fragestellungen zur Lebensweise sind die meisten Paläontologen dagegen einfach überfordert. Sie verfügen nicht über die erforderliche naturwissenschaftliche Ausbildung, um angebotene Thesen kritisch beurteilen zu können.  Vielleicht möchten sie sogar den Eindruck erwecken, sie arbeiteten naturwissenschaftlich; tun sie aber nicht. Auch die Anwendung modernster Untersuchungsverfahren kann keine belastbaren Ergebnisse liefern, sie kann den Bearbeiter nicht von der kritischen Diskussion seiner Ergebnisse entbinden. Man kann es drehen und wenden wie man will, doch ohne naturwissenschaftliches Vorgehen ist Fortschritt nicht möglich. Es kommt einfach keine “Butter bei die Fische”.

Schon Mitte der sechziger Jahre war mein Interesse für das Wirken physikalischer Gesetze in der Natur geweckt worden, als ich das interessante Buch von Heinrich Hertel (1963) über Verknüpfungen von Biologie und Technik in die Hand bekam. Auch er war wie ich in der Flugzeugentwicklung tätig. Es öffnete mir die Augen für die in der Natur omnipräsente Physik und angewandte Mechanik. Diese Sichtweise konnte ich dann später bei der Interpretation von Fossilien anwenden. Tatsächlich gelang es mir dann ziemlich rasch, eine befriedigende Lösung für verschiedene alte Probleme zu finden. Dass überhaupt noch Rätsel verborgen waren, wurde mir erst bewusst, als ich mich näher auf solche Fragen einließ, denn als Sammler war ich mit verschiedenen Fragen zunächst gar nicht in Berührung gekommen. Da musste sich auch erst einmal gesunde Skepsis gegenüber Spekulationen entwickeln.

Die Fortschritte an Wissen, nicht an Material, in den vergangenen hundert Jahren waren denkbar gering. So darf es letztlich nicht einmal verwundern, wenn wissenschaftlich unproduktive Fakultäten an vielen Universitäten abgebaut werden, auch weil Forschungsgelder verbraten werden, ohne dass objektiv relevante Ergebnisse geliefert werden. Ich fürchte, dieses Defizit lässt sich auf Dauer nicht verheimlichen, und im Laufe der Zeit wird die Paläontologie wieder bei ihren Anfängen landen müssen, nämlich dem Jagen und Verwahren von Fossilien. Wie manche andere mir bekannte Forscher, die sich privat als sogenannte Querdenker oder Seiteneinsteiger mit Problemen der Paläontologie und der Evolution im weiteren Sinne beschäftigen und Kreativität einbringen, bin auch ich der Ansicht, dass man ein wichtiges Feld, vielleicht sogar das wichtigste, nämlich die Interpretation und das Verständnis von Fossilien nicht ausschließlich der Paläontologie überlassen sollte. Was bisher dabei herausgekommen war, haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt, nämlich herzlich wenig.

Mir hat es jedenfalls viel Vergnügen bereitet, mich nach der Suche nach Fossilien selbst mit Fragen der Lebensweise zu beschäftigen, die sich dann als gar nicht mehr so rätselhaft herausstellten wie es immer dargestellt wurde. Ich habe viel dabei gelernt, hinzu kam noch die Gewissheit, meine Zeit sinnvoll genutzt zu haben, außerdem weiß ich, dass alle meine Ergebnisse Bestand haben werden. Ich würde mich freuen,  wenn ich ein wenig von dem intellektuellen Vergnügen, das mir die Beschäftigung mit solchen Problemen bereitet hat, deutlich machen könnte und wenn ich mit dazu beitragen könnte, anderen Suchenden ihre Fragen zu beantworten, sie zu eigenem Nachdenken anzuregen oder ihnen das Verständnis ausgestorbener Tiere zu erleichtern..

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